Die Gaskammer

INHALT

  1. Ein einzeln stehendes Gebäude unterhalb des Lagers
  2. Eine Gaskammer im Konzentrationslager
  3. Der Festsaal im Gasthaus Struthof
  4. Die Errichtung der Gaskammer
  5. Die Technik und ihre verbrecherische Nutzung
  6. Die Gaskammer heutei

Ein einzeln stehendes Gebäude unterhalb des Lagers

Die Gaskammer, die 800 m unterhalb des oberen Lagers liegt, war in einem “unscheinbaren Gebäude” untergebracht, wie Kommandant Robert Jardin bei der Untersuchung der Kriegsverbrechen im Lager durch die Militärjustiz aussagt. Bei diesem Gebäude handelt es sich um den ehemaligen Festsaal des Gasthauses Struthof, in dem vor dem Krieg Bälle und Bankette stattfanden.

Eine Gaskammer im Konzentrationslager

Die Gaskammer (G-Zelle) ist in keiner Weise mit den Einrichtungen vergleichbar, die in den Tötungszentren des Ostens wie Auschwitz oder Treblinka eingerichtet wurden. Sie ist nicht für Massenmord im Rahmen einer Endlösung bestimmt. Natzweiler ist ein Konzentrationslager, kein Vernichtungslager.

Gaskammern existierten auch in anderen Konzentrationslagern wie Mauthausen oder Ravensbrück, oftmals um zu geschwächte oder kranke Häftlinge zu beseitigen. In anderen Konzentrationslagern wie z. B. in Dachau wurden sie nicht fertiggestellt. Sie liefen nie im Dauerbetrieb. Im Sonderfall Natzweiler ist dies der Zweck einer solchen Konstruktion: Es handelt sich um eine Gaskammer für die Experimente von zwei Ärzten, Otto Bickenbach und vor allem August Hirt, die im Rahmen ihrer Forschung eingesetzt werden sollte.

Der Festsaal im Gasthaus Struthof

Dieser Festsaal, der im November 1940 beschlagnahmt wird, dient zunächst als Unterkunft für die ersten Deportierten, die auf dem Boden auf Stroh schlafen. Er ist unscheinbar und misst 20,15 x 10 m. Die Außenwand hat sechs Fenster, zwei Vorderausgänge und eine Seitentür, er hat sechs Räume.

Die rechte Vordertür führt in einen Korridor mit zwei Räumen, in denen die SS Material und Lebensmittel lagert. Dieser Korridor führt durch eine andere Tür in den Raum der Gaskammer selbst, in den man durch die andere Vordertür gelangt. Dann folgen drei weitere Räume, die vor dem Krieg als Empfangsräume dienten, darunter eine Küche und ein Raum mit drei gefliesten Wannen hinter der Seitentür. Durch diese Tür tritt der Besucher zu Beginn der Besichtigung ein.

In die drei 1,70 m tiefen Behälter hat man keine Leichen gelegt, sie dienten höchstwahrscheinlich der Aufbewahrung von Lebensmitteln.

Die Errichtung der Gaskammer

Im Herbst 1942 beginnen die Arbeiten zur Neuerrichtung einer Gaskammer. Ein spezifischer Raum muss gebaut werden. Dafür werden Trennwände hochgezogen. Die Gaskammer auf einer Grundfläche von 9,25 m2 mit einem Raumvolumen von 22,2 m3 (2,91 m breit x 3,18 m lang x 2,40 m hoch) wird am 12. April 1943 fertiggestellt.

Die Wände sind komplett mit weißen Wandfliesen verkleidet. Die Decke mit Deckenleuchte ist gestrichen und der Zementboden enthält ein Wasserablaufgitter. Die dicke, mit einer Blechplatte verstärkte Tür ist hermetisch dicht. Die Tür, die in den Raum mit der Kammer führt, ist mit Zeitungspapier zur Abdichtung überzogen.

Die Technik und ihre verbrecherische Nutzung

Die linke Seite der Kammer verfügt über ein Kontrollfenster, das im Inneren durch ein Metallgitter geschützt ist. Darunter rechts befindet sich ein Loch mit einem Blechtrichter, der in ein Rohr mündet. Es führt durch die Wand in das Innere der Gaskammer und endet oberhalb einer quadratischen Vertiefung im Boden.

Es wird von Kommandant Kramer verwendet, um Natriumcyanid einzuführen, das bei Kontakt mit Wasser ein tödliches Gas freisetzt. Damit wurden die 86 Juden für Hirts “anatomische Sammlung” ermordet. Die Beleuchtung des Raums erfolgt über einen Schalter auf der rechten Seite des Kontrollfensters. Die Entlüftung des Gases erfolgt über einen Ventilator, der mit einem Außenschacht verbunden ist.

Die Gaskammer heute

Die 2022 restaurierte Gaskammer zeigt verschiedene Erklärungstafeln über die Reichsuniversität Straßburg, die Ärzte und ihre medizinischen Experimente. Sie erinnert an die Opfer.

Weitere Informationen

Steegmann Robert, Struthof. Le KL-Natzweiler et ses kommandos : une nébuleuse concentrationnaire des deux côtés du Rhin. 1941-1945 Straßbourg, La Nuée Bleue, 2005, S. 313-316.

Bonah Christian, Gaume Sandrine, Lang Hans-Joachim, Lutz Loïc, Moser Gabriele, Schmaltz Florian, La médecine nazie contre l’humanité. Expérimentations médicales au camp de concentration de Natzweiler-Struthof, Paris, Tallandier, 2024, S. 54-59.

Quelle und Bildunterschrift

Die Fotos stammen aus dem DCAJM (Französisches Zentralarchiv für Militärjustiz, Prozess Natzweiler 1958).