Das Lager heute
Die Überreste und das Lagermuseum
Heute ist das Gelände ein wichtiger Ort des Gedenkens und der Weitergabe geschichtlicher Informationen zur Deportation. Die Gedenkstätte, die 1951 zum historischen Denkmal erklärt wurde, bietet die Möglichkeit, symbolträchtige Orte des Lagers zu entdecken, die vom nationalsozialistischen Konzentrationslagersystem und vom Schicksal der Deportierten zeugen.
INHALT
➔ Das Europäische Zentrum des deportierten Widerstandskämpfers und der Kartoffelkeller
➔ Die Umzäunung des oberen Lagers
Das Europäische Zentrum des deportierten Widerstandskämpfers und der Kartoffelkeller
Der Besuch beginnt im Europäischen Zentrum des deportierten Widerstandskämpfers, das als wichtige Einführung für die Stätte dient. Die Dauerausstellung zeigt die Geschichte des Zweiten Weltkriegs, des europäischen Widerstands und der Deportation anhand von interaktiven Stationen, einem Film, Archivdokumenten und zahlreichen Fotografien. Wechselausstellungen ergänzen den Rundgang.
Das 2005 von Staatspräsident Jacques Chirac eingeweihte Gebäude steht auf einem beeindruckenden Stahlbetonkeller von 120 m Länge, dem sogenannten Kartoffelkeller. Er wurde von den Deportierten errichtet und diente der Lagerung von Lebensmitteln für das Lager.
Im Europäischen Zentrum hat auch die Verwaltung der Gedenkstätte ihren Sitz. Es gibt einen Verweilbereich für die Besucher.
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Das Europäische Zentrum des deportierten Widerstandskämpfers, Centre européen du résistant déporté -
Innenbereich des Kartoffelkellers unter dem Centre européen du résistant déporté (Europäisches Zentrum des deportierten Widerstandskämpfers) © Jacques ROBERT SGA DMPA -
Die Überreste des Innenbereichs des Kartoffelkellers © Pierre Louis Faloci
Die Umzäunung des oberen Lagers
Am Ausgang des Europäischen Zentrums des deportierten Widerstandskämpfers führt eine lange Allee zum Lagereingang. Hier gelangt man zum Haupttor, dem einzigen Zugang zum KZ-Gelände.
Das heutige Portal aus Holz mit zwei Flügeln stammt aus der unmittelbaren Nachkriegszeit. Es wurde wahrscheinlich im Rahmen der Umnutzung 1945/46 des administrativen Internierungslagers vom nationalsozialistischen Konzentrationslager zur Strafvollzugsanstalt angebracht. Es ist mit einem einst elektrifizierten und fast drei Meter hohen doppelten Stacheldrahtzaun verbunden, der mit Wachtürmen in regelmäßigen Abständen versehen ist.
Das Lager wurde in aufeinander aufbauenden Terrassen am Hang des Berges angelegt. Auf jeder Ebene befanden sich die Blocks, die Baracken, in denen die Deportierten untergebracht waren, während die Appellplätze den Raum zwischen den Gebäuden einnahmen.
Die Blöcke sind nicht mehr zu erkennen. Heute werden ihre Standorte durch roten Kies und weiße Stelen kenntlich gemacht, die die Namen von nationalsozialistischen Konzentrationslagern verschiedener europäischer Länder tragen. Abgesehen von vier Baracken wurden sie 1954 abgebaut und verbrannt.
Die Museums-, Gefängnis- und Krematoriumsbaracke
Die Museumsbaracke im oberen Teil des Lagers bildet die erste Etappe bei der Erkundung des Geländes. Sie zeichnet die Geschichte des KZ Natzweiler, den Alltag der Deportierten und die Funktionsweise des nationalsozialistischen Konzentrationslagersystems nach.
Danach gelangt der Besucher zu den Appellplätzen, auf denen die Häftlinge jeden Tag anzutreten hatten. Ein Galgen, der allerdings nicht original ist, erinnert an die Hinrichtungen, die hier vorgenommen wurden.
Weiter unten befindet sich die Gefängnisbaracke, die aus etwa zwanzig, 8 bis 10 m² großen Zellen besteht. Sie wurde im Innenbereich des Lagers errichtet, um Häftlinge zur Strafe oder zum Tode Verurteilte einzusperren.
Das letzte Gebäude ist die Krematoriumsbaracke, die im Oktober 1943 fertiggestellt wurde und an ihrem hohen Kamin leicht zu erkennen ist. Sie hatte mehrere Funktionen, die mit der Ankunft der Häftlinge und ihrem Tod in Verbindung standen.
Im Westflügel des Gebäudes war der Hygienebereich für die Deportierten: Umkleideräume, Duschen und Desinfektionsanlagen. Dieser Bereich ist nur im Rahmen einer Führung zugänglich.
Im Ostflügel befanden sich insbesondere der Autopsiesaal, das Büro der Ärzte, der Urnenraum und der Raum mit dem Krematoriumsofen. In der Nähe des Ofens erinnern Gedenktafeln an die Opfer, insbesondere an die vier im Juli 1944 hingerichteten Agentinnen des britischen Special Operations Executive (SOE) sowie an die Widerstandskämpfer des Réseau Alliance und der Groupe Mobile d‘Alsace-Vosges (GMAV).
Lesen: Medizinische Experimente
Im Graben unterhalb des Lagers befindet sich die Aschegrube, in die die Asche der im Krematorium verbrannten Leichen geworfen wurde. Eine Gedenkwand mit Gedenktafeln für die verschiedenen Nationalitäten und Kategorien von Deportierten ist heute hier zu sehen.
Die Todesschlucht
In der Nähe des nationalen Gräberfelds befand sich damals die Todesschlucht. Heutzutage ist nichts mehr davon erkennbar, aber der Ort zeugt symbolträchtig von der Brutalität des Systems der Konzentrationslager.
Im Juli 1943 wurden acht Häftlinge absichtlich aus dem umzäunten Lagerbereich gestoßen, damit sie von den SS-Wachen unter dem fälschlichen Vorwand eines Fluchtversuchs erschossen werden konnten.
Lesen: Die “ravin de la mort” (Todesschlucht)
Das untere Lager und die Gaskammer
Das untere Lager, das 600 m zu Fuß oder 1,5 km über die Straße vom oberen Lager entfernt ist, besteht aus zwei Hauptgebäuden: dem ehemaligen Gasthaus Struthof und dem Nebengebäude der Gaskammer.
Hier wurden insbesondere während der Errichtung des Lagers die ersten Deportierten untergebracht.
Gasthof
Das Gasthaus Struthof aus dem Jahr 1906 war ursprünglich ein Ort zur Erholung. Während der Besatzung durch die Nationalsozialisten wurde es beschlagnahmt und von der Lagerverwaltung genutzt.
Heute befindet sich das Gebäude im Besitz des französischen Ministeriums der Streitkräfte und ist Teil der Gedenkstätte, allerdings für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.
Das untere Lager und die Gaskammer
Die Gaskammer wurde zwischen Herbst 1942 und April 1943 im Nebengebäude des Gasthofs, dem früheren Festsaal, eingerichtet.
Dieser ca. 9 m² große Raum wurde für medizinische Experimente von Ärzten der nationalsozialistischen Reichsuniversität Straßburg genutzt.
Im August 1943 wurden dort 86 Juden getötet, um eine Sammlung jüdischer Skelette für den Professor August Hirt zusammenzustellen.
Im Nebengebäude ist heute eine Ausstellung zur Geschichte des Gebäudes und zum Schicksal der Opfer der nationalsozialistischen Experimente untergebracht. Eine Gedenkstele auf dem Vorplatz ehrt die Opfer.
Nationales Gräberfeld
Die Gedenkstätte der Märtyrer und Helden der Deportation über der Stätte wurde 1960 vom damaligen Präsidenten der französischen Republik, General de Gaulle, eingeweiht.
Das mehr als 40 Meter hohe Denkmal stellt eine steinerne Flamme mit der ausgemergelten Silhouette eines Deportierten in ihrer Mitte dar. Am Fuße der Gedenkstätte ruht die sterbliche Hülle eines unbekannten Deportierten.
Das benachbarte nationale Gräberfeld umfasst 1.116 Gräber von Deportierten, Männern und Frauen, deren Leichen in verschiedenen nationalsozialistischen Lagern und Gefängnissen exhumiert wurden.
Kiesgrube
Hinter der Gedenkstätte in der Nähe der Landstraße befindet sich ein unauffälliger Ort, die Kiesgrube. Hier ließ die Gestapo mehrere Widerstandskämpfer erschießen. Im Februar 1943 wurden an dieser Stelle 14 junge Männer aus Ballersdorf und Umgebung hingerichtet.
Eine Gedenktafel erinnert heute an dieses tragische Ereignis.
Den Fall der jungen Männer aus Ballersdorf lesen
Steinbruch
Die Geschichte des Konzentrationslagers Natzweiler-Struthof beginnt im nahe gelegenen Granitsteinbruch.
Nach der Entdeckung einer abbaubaren Granitader beschließt die NS-Verwaltung 1941, dort ein Lager einzurichten, um KZ-Arbeitskräfte bereitzustellen. Die Deportierten arbeiten unter extrem harten Bedingungen, zunächst im Granitabbau, dann in der Demontage von Flugzeugmotoren.
Im Laufe der Jahre hat die Natur diesen Ort weitgehend zurückerobert. Von den zahlreichen ursprünglichen Anlagen sind nur noch die Fundamente einiger Gebäude erhalten, darunter die alte Schmiedewerkstatt. Seit 2025 wird sie im Rahmen eines Erhaltungsprojekts überdacht.
Durch archäologische Ausgrabungen, die zwischen 2020 und 2024 von Archéologie Alsace durchgeführt wurden, wurde die Arbeitsorganisation im Steinbruch und seine Rolle in der Kriegswirtschaft des Dritten Reichs besser verständlich.